Existenzgründungs-Checkliste: Was ist vor dem Start zu klären?

Kennst du das? Die Geschäftsidee ist da, die Begeisterung auch, und dann steht du plötzlich vor einem riesigen Berg an Fragen. Gewerbe oder Freiberuflichkeit, Preis, Website, Finanzplan, Steuern, Krankenkasse, Buchhaltung, erste Kund:innen. Womit fängst du an?

Im Umgang damit gibt es zwei Typen. Die einen sagen: Die Idee steht, es wird einfach losgelegt, und die Zahlen werden erstmal ausgeblendet, mit der Hoffnung, dass sich das schon irgendwie rechnet und gut gehen wird. Typ zwei hat große Angst etwas falsch zu machen und dadurch alles zu verlieren und Strafen zahlen zu müssen. Schließlich haben wir ja alle schon in der Schule gelernt „Dummheit schützt vor Strafe nicht.“ 😉

Aber egal zu welchem Typus du dich zählst. Ich habe etwas für dich. Hier ist meine Existenzgründungs-Checkliste mit den Dingen, die ich vor dem Start klären würde.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Eine gute Existenzgründungs-Checkliste klärt acht Dinge: Idee, Zielgruppe, Angebot und Preis, Finanzplan, Positionierung, erste Aufträge, Formalitäten und deinen Alltag.
  • Am wichtigsten ist der Praxistest. Sprich mit den Menschen, die später zahlen sollen, bevor du viel Zeit und Geld investierst.
  • Deine Zahlen brauchst du vor dem Start, nicht danach. Mit dem Schnellcheck Finanzrechner siehst du in wenigen Minuten, ob sich dein Vorhaben trägt.
  • Du musst nicht alles auf einmal lösen. Ein Start im Nebenerwerb ist ein völlig legitimer Weg, um das Risiko klein zu halten.

Deine Existenzgründung Checkliste auf einen Blick

  1. Geschäftsidee prüfen
  2. Zielgruppe und Markt klären
  3. Angebot und Preis festlegen
  4. Finanzplan erstellen
  5. Positionierung finden
  6. Erste Aufträge planen
  7. Formalitäten klären
  8. Arbeitsalltag und Struktur planen

1. Steckt in deiner Geschäftsidee Geld?

Das weißt du erst, wenn du sie getestet hast. Eine Idee, die dich begeistert, ist ein guter Anfang, mehr aber auch nicht. Prüf, ob sie zu dem passt, was du gut kannst und gern tust, und ob andere dafür bezahlen würden. Wenn du noch auf der Suche bist, hilft dir meine Anleitung Geschäftsidee finden mit Ikigai.

Und bevor du lange baust: Bau lieber einen kleinen Prototyp und schau, ob jemand anbeißt. Ein niedrigschwelliges Testangebot sagt dir mehr als jede Überlegung am Schreibtisch.

2. Wer soll dafür zahlen?

Frag die Menschen, nicht das Internet. Reine Wettbewerbsrecherche reicht nicht, der größere Fehler ist, nicht mit der echten Zielgruppe zu sprechen. Frag vor allem nach der Zahlungsbereitschaft: Gibt es Bedarf, wird dafür Geld ausgegeben, und mit wem arbeiten die Leute da bisher?

Ich weiß, wovon ich rede. Ich bin 2015 mit Burnoutprävention für Unternehmen gestartet, habe eine Marktanalyse gemacht und nur auf den Wettbewerb geschaut. Viele Seminare, also gibt es einen Markt, dachte ich. Gefragt habe ich nur Begeisterte, die meine Idee super fanden, aber nicht gekauft haben. Ergebnis: 13.000 € Minus im ersten Jahr. Die ganze Geschichte steht in meinem Artikel Marktanalyse erstellen: Warum ich meine eigene vergeigt habe.

Und noch etwas: Konkurrenz ist kein Grund zur Panik. Sie zeigt dir, dass es einen Markt gibt und Menschen, die dafür zahlen.

3. Was bietest du an, und was kostet es?

Ein klares Angebot braucht einen Preis, den du ausgerechnet hast und nicht nur gefühlt. Wie du vom Bauchgefühl zu einer Zahl kommst, die realistisch ist, steht in meinem Artikel Preise festlegen als Selbstständige.

4. Wovon lebst du, bis es läuft?

Das ist die Frage hinter jedem Finanzplan. Er besteht aus vier Teilen: deinen privaten Lebenshaltungskosten, deinen betrieblichen Kosten, deiner Umsatz und Rentabilitätsplanung und einer Liquiditätsplanung. Mit dem Schnellcheck Finanzrechner bekommst du in wenigen Minuten eine erste Antwort auf die Frage: Trägt sich dein Business?

Warum Bauchgefühl und Finanzplan beide ihren Platz haben, aber in einer bestimmten Reihenfolge, erkläre ich in Bauchgefühl oder Finanzplan.

5. Wofür sollen Kund:innen dich kennen?

Das ist deine Positionierung, auch USP genannt (Auf deutsch Alleinstellungsmerkmal). Es ist der Grund, warum Kund:innen zu dir kommen und nicht zum Wettbewerb. Viele tun sich damit unglaublich schwer, dabei musst du es dir nicht zu kompliziert machen. Überleg dir etwas, wofür du bekannt sein möchtest, und frag Freund:innen und Familie, was sie in dir sehen.

6. Woher kommen deine ersten Aufträge?

Plane sie, bevor du startest. Was kannst du tun, das dir sofort einen ersten Auftrag bringt? Viele stoßen bei der Kundenakquise an ihre Grenzen, weil sie keine fremden Menschen ansprechen oder mit Namen und Gesicht sichtbar sein wollen. Am Anfang ist das eine große Überwindung. Aber du wächst da rein, und Sichtbarkeit gehört nunmal dazu. Mehr dazu findest du in den 8 größten Herausforderungen bei der Gründung.

7. Welche Formalitäten musst du klären?

Das hängt von deiner Tätigkeit ab, und genau dazu schreibe ich hier bewusst nicht ins Detail. Anmeldung, Finanzamt, Kammern, Verträge: Hol dir dafür gezielt Beratung, zum Beispiel bei einer Gründungsberatung, den Kammern oder deiner Steuerberatung. Um für dich die richtigen Schritte herauszufinden, kommt es auf ein paar Details an, die z.B. mit deiner Gründungsidee und mit deiner Ausbildung zu tun haben. Für verschiedene Branchen gelten verschiedene Vorgaben. Einen ersten Überblick zu Anmeldung und Behörden findest du im Existenzgründungsportal des Bundeswirtschaftsministeriums.

8. Wie sieht dein Alltag als Selbstständige:r aus?

Plane deine Woche, bevor sie dich überrollt. Setz dir klare Ziele mit Termin und schreib deine Aufgaben auf, damit du am Ball bleibst und nicht zum hundertsten Mal nachschaust, ob eine neue Mail da ist. Und rechne mit Unsicherheit, die gehört dazu. Selbstständigkeit ist ein Experiment, bei dem du Versuchsleitung und Versuchskaninchen zugleich bist. Warum das so ist, liest du in Selbstständigkeit als Experiment.

Und jetzt?

Such dir den Punkt auf der Liste, bei dem du das größte Bauchgrummeln hast, und fang genau da an. Wenn du dabei Unterstützung willst: In meinem Business Coaching gehen wir die Liste gemeinsam durch, oder du buchst dir direkt ein kostenloses Kennenlerngespräch.

Häufige Fragen zur Existenzgründung

Was gehört in eine Existenzgründung Checkliste?

Acht Dinge: Geschäftsidee prüfen, Zielgruppe und Markt klären, Angebot und Preis festlegen, Finanzplan erstellen, Positionierung finden, erste Aufträge planen, Formalitäten klären und den Arbeitsalltag planen.

Brauche ich vor der Gründung eine Marktanalyse?

Ja, aber nicht nur als Recherche im Internet. Sprich mit den Menschen, die später zahlen sollen, und frag nach ihrer Zahlungsbereitschaft. Reine Wettbewerbsrecherche reicht nicht.

Wie lange dauert es, bis sich eine Selbstständigkeit trägt?

Das hängt von deinem Angebot ab. Nach meiner Erfahrung kann es bei einem Coaching Business bis zur Stabilisierung durchaus drei bis fünf Jahre dauern, manchmal länger. Plane deshalb von Anfang an, wovon du in dieser Zeit lebst.

Kann ich nebenberuflich gründen?

Ja. Ein Start im Nebenerwerb ist ein sehr guter Weg, um das Risiko klein zu halten und die Selbstständigkeit erstmal auszuprobieren.

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Profilbild von Isa Hiemann

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