Bauchgefühl oder Finanzplan? Die Antwort ist: beides, aber in dieser Reihenfolge

Kennst du das? Du hast eine Idee für dein Business, dein Bauch sagt „ja, mega, mach das“, und gleichzeitig spürst du Angst auftauchen. Was passiert dann meistens? Du machst die Augen zu und verdrängst genau diese Angst. Du legst los, ohne genauer hinzuschauen, und hoffst, dass sich das schon irgendwie rechnen wird. Am Ende schwimmst du mit geschlossenen Augen los, ganz ohne Feedback durch Kennzahlen, und denkst, du musst nur durchhalten, dann wird schon was kommen.

Ich sag’s dir gleich vorweg: Bauchgefühl ist super. Aber blind schwimmen bringt dich nicht ans Ziel. Du brauchst beides, Bauchgefühl und Zahlen. Nur nicht gleichzeitig.

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Mein Launch-Experiment mit Business Kompakt

2025 habe ich Business Kompakt gelauncht, mein Herzensprojekt mit Strategietagen in der Toskana. Für den ersten Durchlauf bin ich erstmal nach Bauchgefühl gegangen. Und zwar bewusst. Denn mein laufendes Business sichert meine Existenz bereits, das heißt, ich musste gar nicht wissen, ab wann sich die Idee finanziell trägt. Ich musste wissen, ob es überhaupt einen Markt dafür gibt.

Also hab ich mir ein Ziel gesetzt: 4 Teilnehmende, bei maximal 6 möglichen Plätzen. Reines Bauchgefühl. Trotzdem hab ich parallel eine kleine Umsatz- und Rentabilitätsvorschau gerechnet. Nicht weil ich der Idee misstraut habe, sondern weil ich wissen wollte, wo mein Risiko liegt, falls es doch anders läuft.

Ergebnis: Mein Bauchgefühl lag richtig. Und der Finanzplan hat trotzdem seinen Job gemacht, er hat mir das Risiko im Blick behalten, während ich getestet habe. Genau darum geht’s bei diesem Thema. Nicht Bauchgefühl gegen Finanzplan. Sondern Bauchgefühl mit Finanzplan als Sicherheitsnetz.

Der Finanzplan, der überhaupt nicht eingetroffen ist

Jetzt die andere Seite der Geschichte, und die ist deutlich unangenehmer: mein eigener Finanzplan aus meiner Gründungszeit. Der ist so gar nicht eingetroffen. Warum? Weil meine Grundannahmen komplett falsch waren. Ich hatte damals sogar eine Deckungsbeitragsrechnung erstellt, im Nachhinein total überflüssig.

Denn hier kommt die unbequeme Wahrheit: Die beste Umsatzvorschau und die schönste Rentabilitätsplanung nützen dir gar nichts, wenn die angenommenen Verkäufe und Preise unrealistisch sind. Ein Finanzplan ist kein Zaubertrick, der aus einer wackligen Idee eine solide macht. Er macht nur sichtbar, wie tragfähig eine Annahme ist, die du vorher hattest.

Und dann gibt’s noch den umgekehrten Sonderfall: Ein Gründer, der komplett nach Bauchgefühl geplant hatte. Wir haben im Nachhinein trotzdem einen soliden Finanzplan auf Basis seiner Einschätzung erstellt, und die Zahlen deckten sich tatsächlich mit seinem Gefühl. Das feiere ich, aber ich sag dir auch ehrlich: Das ist äußerst selten. Verlass dich nicht drauf, dass du zu den Ausnahmen gehörst.

Wie ich das mit meinen Klient:innen mache

In meinen Coachings erstellen wir zuerst die Planungstabellen, und dann fangen wir an, mit dem Bauchgefühl zu arbeiten. Konkret heißt das: Ich frage „Wie ist deine Einschätzung, wie viel du in diesem Monat verkaufen kannst?“ Und genau diese Antwort übertragen wir in Zahlen. Zu Beginn quantifizieren wir also das Bauchgefühl, Wunschgrößen sind dabei ausdrücklich erlaubt.

Der zweite Schritt ist der eigentlich wichtige: Wir gleichen das mit einer realistischen Marktbeobachtung ab, Trends, Wettbewerb, Marktpotenzial. Erst dann kann ich zu jedem Ergebnis die richtigen Fragen stellen. Wie möchtest du dieses Ziel erreichen? Was tust du dafür? Welche Maßnahmen sind notwendig? Ist das realistisch?

Nachdem wir eine Idee einmal komplett durchgesprochen haben, sage ich meinen Klient:innen oft einen Satz, den ich richtig gerne mag: Jetzt ist Zeit für den Moment der Wahrheit. Lass uns mal schauen, ob sich deine Idee trägt und was wir tun müssen, damit dein Traum in Erfüllung geht.

Warum kaum jemand darüber redet

Und jetzt zu dem Teil, der mich tatsächlich ein bisschen nervt: Über Finanzplanung redet fast niemand. Warum? Weil Excel-Tabellen und Zahlen den Leuten einfach zu unsexy erscheinen. Eine coole Geschäftsidee, ein knalliges Angebot, ein cleverer Marketing-Funnel, das verkauft sich super. Ein realistischer Umsatzkorridor dagegen eher nicht.

Dabei ist genau das die große Erleichterung, die dir kaum jemand verspricht: Zahlen zu planen und daraus Ziele abzuleiten gibt dir Sicherheit für die Zukunft. Du kannst viel besser kalibrieren, wo dein realistischer Umsatzkorridor verläuft. Aber weil sich das nicht so gut verkauft wie der nächste Marketing-Kurs, wird eben Marketing verkauft statt Planung. Eine coole Idee allein reicht aber nicht für eine stabile Selbstständigkeit.

Und nach der Gründung ist vor der Planung

Noch ein Punkt, der mir wichtig ist: Finanzplanung ist kein reines Gründungsthema. Ich empfehle sie ausdrücklich auch danach, gerade als Soloselbstständige:r. Ein Forecast zum Jahresbeginn lohnt sich total, weil du dann rechtzeitig handeln kannst, wenn sich deine Umsatzentwicklung negativ entwickelt, statt es erst im Dezember zu merken.

Zusätzlich hilft dir so ein Forecast, saisonale Schwankungen zu erkennen und deine Urlaubszeiten gut zu planen. Und du siehst schwarz auf weiß, ob gerade Kapazität für Wachstum oder Investitionen da ist, oder eben nicht.

Mein Fazit für dich

Bauchgefühl und Finanzplan sind kein Gegensatz, sie sind ein Team. Erst das Gefühl, dann die Zahlen, die es überprüfbar machen. Wenn du magst, sprich in diesem Monat einfach mal eine Einschätzung laut aus, wie viel du verkaufen willst, und schreib sie auf. Das ist schon der erste Schritt zum Moment der Wahrheit.

Wenn du merkst, dass genau diese Klarheit dir in deiner Selbstständigkeit fehlt, nicht nur bei den Zahlen, sondern generell bei Struktur und Priorisierung, dann schau dir gerne Business Kompakt an. Genau dafür ist es gemacht.

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Profilbild von Isa Hiemann

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