Folge 32 | Arbeiten in Kriegs- und Krisengebieten

Was treibt einen an, humanitäre Hilfe zu leisten

Heute zu Gast ist meine langjährige und liebe Freundin Gabriele Onorato.
Wir haben uns bei der Arbeit kennen gelernt und daraus ist ein tiefe Freundschaft entstanden.

Als unsere Zusammenarbeit beginnt, kommt Gabi gerade aus ihrem Studium und möchte Erfahrungen in der Wirtschaft sammeln. Doch ihre eigentliche Leidenschaft und berufliche Erfüllung liegt in einem ganz anderen Bereich. Nämlich in der Arbeit für humanitäre Hilfsorganisationen. (Zur Zeit unseres Gespräches befindet sich Gabi gerade im Einsatz in der Ukraine.)

Dass sie in Krisengebieten arbeiten möchte, dort wo sich sonst niemand hintraut, entdeckt sie während ihrer Arbeit als Kranken- und OP-Schwester. Das ist nämlich ihr erster Beruf. Dort trifft sie eine Kollegin, die als Rote-Kreuz-Krankenschwester ausgebildet ist und in einen Einsatz abberufen wird. Gabi sagt sich „Das will ich auch.“ Und beginnt kurzerhand das Deutsche Rote Kreuz zu kontaktieren und sich dort zu bewerben. Nachdem sie jedoch erst eine Absage erhält, wird sie zwei Tage später angerufen und soll kurzfristig im Kriegs- und Krisengebiete in Ruanda/Burundi helfen – das ist 1994.

Sie wird ins Randgebiet nach Tansania geschickt, wo kurzerhand ein Krankenhaus errichtet wird. Dort sieht sie noch weitere Hilfsorganisationen vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes und weiß sofort, da möchte sie auch zugehören. Doch hierfür gibt es Bedingungen entweder man ist Schweizer:in oder Akademiker:in. Mit beidem kann Gabi damals nicht aufwarten. Nach mehreren Einsätzen beschließt sie zu studieren, um dann auf anderer Ebene humanitäre Hilfe zu leisten.

Ihr Plan geht auf und sie bekommt, nach ihrer Zeit in der freien Wirtschaft ein Jobangebot vom ICRC. Wer sich für humanitäre Hilfe interessiert kann sich bei den zahlreichen Organisationen wie dem GIZ, dem DED, die UN oder das Rote Kreuz. Gut ist es, wenn man eine Berufsausbildung und Berufserfahrung mitbringt. Flexibel sein und einen humanitären Drive haben, sollte man auch. Etwas, das einen dazu treibt über die 8 Stunden Arbeit hinausgehen zu können und zu wollen, um anderen zu helfen.

Sie sagt es ist schwierig das zu beurteilen, wenn man nicht mal drin gesteckt hat. Denn es gibt Pros und Contras. Gabi hat vieles erlebt auf das sie mit Stolz zurückschaut und wo sie denkt, sie haben alle zusammen gute Arbeit geleistet.

Einen sehr bedrohlichen Moment erlebt sie, als die Bevölkerung Tansanias das Vertrauen zur Hilfsorganisation verliert und sich von den Einheimischen angegriffen werden, die den Eindruck haben, dass nur den Geflüchteten geholfen wird, während es der einheimischen Bevölkerung immer schlechter geht. Die Hilfskräfte werden attackiert und es fallen Schüsse. Glücklicherweise kommt das Team unbeschadet aus dieser Situation heraus.

Als OP-Schwester erlebt sie in Tansania Dinge, die sich in einem deutschen OP nicht erleben würde. So helfen sie einer Frau, die seit 15 Monaten schwanger ist. Sie musste sich monatelang im Dschungel zwischen Ruanda und Tansania verstecken. Der Fötus war längst abgestorben. So sieht Gabi viele Ausnahmesituationen von Menschen, die sie prägen und die für eine große Dankbarkeit sorgen, wenn sie wieder in Deutschland ist. Dankbarkeit für den Überfluss in dem wir leben dürfen, die Schönheit der Natur und die Sicherheit, in der wir leben dürfen, ein Dach über dem Kopf zu haben, das auch noch da ist, wenn wir morgen aufstehen.

„Gerade jetzt in der Ukraine können wir beobachten, wie die Menschen mit großer Würde gegen ihr Schicksal angehen und sich nicht aufgeben. Das ist sehr beeindruckend.“ Was Gabi in dieser Arbeit hilft ist, dass sie in ihrer Position nicht still sitzt. Sie hilft, sie versucht die Dinge für die Menschen zu erleichtern. Sie sagt: „Ich gewinne viel aus meiner Arbeit und hoffe dass ich mich eines Tages zur Ruhe setzen kann und weiß, dass ich etwas sinnvolles getan habe.“

Auch wenn normalerweise meine Interviewgäste im Vordergrund stehen, erzähle ich ein wenig darüber, was mich antreibt das zu tun, was ich tue. Unser Gespräch entwickelt sich schließlich zu einem Austausch über die Arbeit und Arbeitserlebnisse.

Die Mensch verkennen, dass sie nicht den Wert haben, der Postion, die sie inne haben. Ihr Wert speist sich aus dem Mensch sein.

Gabriele Onorato in Folge 32

„Die Mensch verkennen, dass sie nicht den Wert haben, der Postion, die sie inne haben. Ihr Wert speist sich aus dem Mensch sein.“, sagt Gabi über die Bedeutung von Arbeit. Über Funktionsbeschreibungen, Mitarbeiter:innengespräche streift unser Gespräch durch die verschiedenen Gefilde von Arbeit. Bis hin zu dem Punkt, dass uns Gabi berichtet, wie sie mit ihrer chronischen Erkrankung umgeht. Vermutlich ist dies ein Thema, das für viele schambehaftet ist und von dem sie meinen, es vor anderen insbesondere im Arbeitskontext verbergen zu müssen. Gabi hat damit einen sehr offenen und für sie passenden Umgang gefunden.

Für ihre Arbeit im Traumjob zahlt Gabi einen hohen Preis. Denn sie kann ihre Freund:innen nicht so treffen, wie sie es möchte und auch ihr Leben nicht so planen, wie sie es möchte. Von Gabi können wir eine ganz wundervolle Selbstreflexion lernen. So beschreibt sie auch einen Arbeitskonflikt den sie aktuell in der Ukraine erlebt hat und wie sie damit umgegangen ist.

Krisensituationen zeigen einem, wer man selbst ist und wer die anderen um einen herum sind.

Gabriele Onorato – Podcast Folge 32

„Krisensituationen zeigen einem, wer man selbst ist und wer die anderen um einen herum sind.“, sagt Gabi über ihren gesundheitlichen Zustand. Denn mit ihrer chronischen Arthritis ist sie körperlich je nach Phase stark eingeschränkt. Mit ihrer Offenheit macht sie auch im Berufsleben gute Erfahrungen. Bisher musste sie ihre Krankheit nicht verstecken und hat es auch nicht vor.

Schließlich treffen wir auf die interessante Fragestellung, ob ein gutes Gehalt einem das Selbstvertrauen nimmt. Im Sinne von, das bekomme ich woanders nicht wieder. Mit Metaphern und Vergleichen mäandern Gabi und ich durch die Frage, wie man sich aus einem unerfüllten Arbeitsleben befreien kann. „Den goldenen Käfig baust du dir selbst und um aus ihm auszubrechen, dafür braucht man Arsch in der Hose.“

Auch das Thema Burnout streifen wir, das insbesondere in dieser Branche von humanitärer Hilfe auftaucht. Gabi beschreibt sehr plakativ, wie sie den Burnout bei einem Kollegen erkennt. Und sagt „Viele Menschen schämen sich dafür im Burnout zu sein oder traumatisiert zu sein.“, dabei gehört das einfach zum Leben dazu. Auch wenn man nicht in Krisengebieten arbeitet.

Hör rein, wenn du Lust hast neues über ein außergewöhnliches Berufsleben zu erfahren.

Über Gabriele Onorato

  • NLP Coach i.A. (International Association of Coaching Institutes)
  • Schwerpunkte: High Performance Coaching (Privat und Business) , Sprache & Kommunikation, Supervision, Hypnose, Systemisches Coachen, NLP-Practitioner, NLP-Master, Effektive NLP Interventionen, Gewaltfreie Kommunikation
  • NLP Master (DVNLP)NLP
  • Practitioner (DVNLP)
  • Burnout Coach (Stressbewältigung und Burnout-Prävention)
  • Seminarleiterin Progressive Muskelrelaxation
  • Seminarleiterin für Stressbewältigung
  • Internationale Organisationsentwicklung
  • Beratung für kleine und mittlere Unternehmen
  • Grundlagen der Entwicklungspolitik
  • Nachhaltiges Wirtschaften in sozialer und ökologischer Verantwortung
  • Gestaltung von Planungsprozessen
  • Umsetzung von Entwicklungszusammenarbeits-Vorhaben
  • Methoden der Wirtschaftsförderung
  • Leading a Team
  • Magistra Artium Angewandte Kulturwissenschaften | Schwerpunkt: Kommunikation
  • PCM Project Cycle Management
  • Staatl. geprüfte Krankenschwester

Links und Credits

Credits für Musik: Music from Uppbeat (free for Creators!)
https://uppbeat.io/t/sonda/were-in-it-together

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