Folge 27 | Wenn Lehrer:innen und Schüler:innen leiden

Bist du bereit Schule neu zu denken?

Heute zu Gast bei mir ist Claudia Rehder, Lehrerin. Von ihr erfahren wir über die Höhen und Tiefen des Lehrer:innenberufs und wie sie schließlich den Ausstieg aus dem Schulsystem schafft.

Claudia Rehder startet hochmotiviert in den Lehrer:innenberuf, muss allerdings schon gleich im Referendariat mit Hilflosigkeit und Überforderung kämpfen. Denn das Studium bereitet sie nicht auf das Unterrichten vor. Sie fühlte sich ins kalte Wasser geworfen.

Und nach dem Studium geht es so weiter, sie wird einfach ins Schulsystem reingeworfen, wird gleich zur Klassenlehrerin gemacht und auch hierauf gibt es keine Vorbereitung.

Keiner hilft einem, den richtigen Weg zu finden im Umgang mit den Schülern. Claudia hätte sich damals jemanden gewünscht, der ihr sagt, was man machen kann. Mit schwierigen Situationen geht sie streng um, sie weiß nicht, wie sie anders reagieren soll. Bis sie später entdeckt, dass es nichts nützt und sie mit einem positiven Mindset viel weiter kommt.

Sie berichtet uns von Schüler:innen, die über Tische und Bänke steigen, sie bekommt keinen Fuß an den Boden. In ihr steigt die Wut. Noch bevor sie jeden Morgen in die Klasse kommt, spürte sie wie sich wieder diese Wut in ihr ansammelt. Hilfe findet sie schließlich bei ihrer Heilpraktikerin, die ihr rät die Wut anzunehmen und als Zeichen zu sehen, dass sie selbst etwas tun kann. Claudia beschließt mit ihrer Wut zu sprechen und sie „wegzuschicken“. Sie möchte in einer anderen Haltung in dieser Klasse unterrichten. „Das sind alles wunderbare Kinder, einzeln genommen, es sind tolle Kinder und ich werde alle meine Liebe da rein geben.“, sagt sie sich von nun an. Mit dieser Entscheidung verändert sich alles. Die Kinder spüren die Veränderung sofort und es beginnt ein ganz neues Kapitel im Unerrichten dieser Klasse.

Claudia sagt: „Es liegt an uns, wie wir in die Klasse gehen und welche Energie wir mitbringen.“

Zu lernen, dass es an einem selbst liegt, wie der Tag verläuft verlangt einiges an Reife. Es nicht persönlich nehmen und trotzdem mit einem ganz großen Herz da zu sein ist die große Kunst, weiß Claudia heute.

Die schlimmsten Schüler sind meistens die Ärmsten. Sie haben häufig zu Hause niemanden, der mit ihnen spricht oder sie beachtet. Diese Anerkennung und Beachtung holen sie sich dann in der Klasse mit ihrem störenden Verhalten.

Und auch Das Thema Lehrerzimmer besprechen wir. Wie geht man mit negativen Kollegen:innen um? Für Leherer:innen ist es häufig nicht leicht positiv zu bleiben in Gegenwart von den negativen Vibes, die manche im Lehrkörper aussenden.

Und gleichzeitig hat Claudia Verständnis, denn der Beruf ist sehr belastend und viele Lehrende arbeiten an ihrer Belastungsgrenze. Vor allem durch das Spannungsfeld von Lehrplänen, Zeitvorgaben und dem guten Umgang mit den alltäglichen Herausforderungen.

Du triffst 200 Entscheidungen pro 45 Minuten von „Darf ich mal aufs Klo?“ bis hin zu „Können sie mir das nochmal erklären?“.

„Viel wichtiger als das gemeinsame Lernen ist die Beziehungsebene“, sagt Claudia.

Der Leistungsdruck herrscht genauso für die Lehrer:innen wie für die Schüler:innen. Du triffst 200 Entscheidungen pro 45 Minuten von „Darf ish mal aufs Klo?“ bis hin zu „Können Sie mir das nochmal erklären?“.

Zwei Mal fällt Claudia während ihrer Laufbahn über mehrere Monate wegen Krankheit aus. Und auch das Gefühl sich mit letzter Kraft in die Ferien zu schleppen kennt sie. Durch den Stress und ihre Krankheit stellt sie fest, dass sie immer weniger dem System entspricht und sich immer mehr ärgert, wie mit den Lehrerenden und den Schüler:innen umgegangen wird. Sie beschließt aus diesem System rauszugehen.

Das erste mal als sie aus dem System raus geht, ist es aufgrund einer Schwangerschaft. Eigentlich genau zum richtigen Zeitpunkt, denn sie ist an einem Punkt, wo es ihr gerade mal wieder überhaupt nicht gut geht in ihrem Job. Sie bekommt direkt zwei Kinder und nutzt ihre 6 Jahre Elternzeit für eine Coachingausbildung, um selbst mit ihrer Erfahrung und ihrer neuen Qualifikation anderen Lehrer:innen zu helfen.

2019 kehrt sie in den Schuldienst zurück stellt aber schnell fest, dass sie das nicht mehr machen kann. Sie weiß: „Wenn ich mir irgendwas Wert bin, dann muss ich hier raus! Dann kann ich das hier nicht mehr machen.“

Wenn ich mir irgendwas Wert bin, dann muss ich hier raus!

Wie durch einen glücklichen Zufall fällt ihr eine ganz neue Chance vor die Füße. Sie lernt die School Beyond Limitations kennen und nimmt an einem Lehrer:innentraining teil. Sie beschließt, dass sie dort arbeiten möchte und bekommt auch prompt ein Angebot. Große Zweifel und mehr toben durch ihren Kopf, als sie mit dem Gedanken spielt, ihren sicheren Beamtenstatus nach über 20 Jahren aufzugeben. Aber sie entschließt sich diesen neuen Weg zu gehen. Wenn überhaupt nochmal Schule, dann diese, spürt sie.

Die School Beyond Limitations ist eine Schule der Neuen Zeit. Sie setzt komplett andere Maßstäbe und erfindet das Lehren und Lernen neu. Sie ist international und findet online und in englischer Sprache statt. Sie bietet Schüler:innen und Lehrer:innen die Möglichkeit ortsunabhängig zu lehren und zu lernen. Doch was Claudia begeistert ist der wertschätzende Blick auf die Schüler:innen. „Wir beurteilen nicht. Wir bringen große Geduld und großes Vertrauen mit, dass aus jedem dieses Kinder etwas wunderbares werden wird.“

„Ich bin von Herzen gerne Lehrerin“, sagt Claudia, „und endlich wieder glücklich im Job.“.

Es gibt keine Jahrgangsstufen, sondern gemischte Gruppen. Die jüngsten Kinder sind 4 Jahre alt, die ältesten 19. In Claudias Klasse sind die Kinder 10 bis 13 Jahre alt und sie besteht aus 8 Schüler:innen. Die altersgemischten Gruppen inspirieren sich gegenseitig und das ist schön.

Diese Schule legt Wert auf ganzheitliche Bildung. Die Fächer sind miteinander verwoben. Es finden Dinge statt wie Journaling, Meditation, Sport, Problemsolving, Mathematik, Lesen und auch Fachunterricht, in dem Claudia die Naturwissenschaften übernimmt. Sie plant jetzt ihren Unterricht ganz anders. Sie sucht inspirierende Themen aus und die Schüler:innen entwickeln sie weiter. Es ist projektorientiertes Lernen. Ein wichtiger Teil des Lehrplans ist die I-Time. Die Zeit in der die Kinder an ihren eigene Projekten arbeiten können, entsprechend ihrer eigenen Interessen. Sie dürfen sich dort weiterbilden, wo sie es gerne möchten.

Claudia setzt auf Förderung des Wachstumsmindsets, was bedeutet, dass Fehler willkommen sind und ein Hinweis darauf etwas Anderes zu probieren.

In dieser Schule gibt es keine Klassenarbeiten und auch keine Noten. Es gibt nur Feedback, das in schriftlicher Form und wertschätzend geäußert wird. Wer sich entschließt einen Abschluss zu machen, kann das anmelden und bekommt die Möglichkeit sich darauf vorzubereiten nach internationalem Standard IGCSE. Es wird ein weiteres Projekt auf dem selbst gewählten Lehrplan. Es geht darum den Kindern zu helfen die Eigenverantwortung für ihren Lehrplan Stück für Stück zu übernehmen. Unterstützt wird das durch Mentorings am Nachmittag.

Wie der Tag einer Onlineschule aufgebaut ist und auch welchen weiteren Rahmen es gibt, erzählt uns Claudia in diesem Gespräch.

Die Gründe sein Kind in einer Schule wie dieser anzumelden sind sehr unterschiedlich. Manche sind Onlineunternehmer:innen und andere haben auch durch die Coronasituation gemerkt, dass homeschooling schwierig ist. Und andere wiederum kommen aus einer Mobbingsituation und wünschen sich mehr Wertschätzung und eine individuellere Abstimmung auf ihre Bedürfnisse.

Aus Claudias Sicht gibt es im Vergleich zu einer normalen Schule keine Grenzen, denn es ist einfach nur anders und auch dafür gibt es einen Umgang.
Außerdem finden regelmäßige persönlichen Treffen statt. Die sogenannte Erfahrungswoche. Und so kommt es, dass sich Lehrkräfte und Schülerinnen kürzlich zum ersten Mal persönlich in Stockholm trafen. Die Zusammenkunft läuft sehr herzlich ab und es besteht eine enge Bindung zu den Schüler:innen.

Die Besonderheit der Schule schweißt als Gemeinschaft zusammen. Wenn man sich dann persönlich sieht ist es so, als wenn man jemanden trifft, den man sehr gut kennt. Die Erwachsenen sind eher Mentoren:innen für die Schüler:innen und keine Lehrer:innen, die über ihnen stehen.

Die School Beyond Limitations kommt an. Immer mehr Menschen haben Lust auf eine neue Schulform und so wächst die Anzahl der Schüler:innen rasant von Jahr zu Jahr.

Für alle, die sich Unterstützung in ihrem Lehrer:innenalltag wünschen, gibt es Hilfe von Claudia in ihren Onlinekursen, z.B. zum Thema Stressreduktion und auch einen Vorbereitungskurs für Klassenlehrer:innen.

Claudias Tipp für Lehrer:innen ist, bei sich selbst zu gucken, wie wir auf Dinge reagieren wollen. Und je besser wir für uns sorgen, umso besser können wir uns um unser Umfeld kümmern.

Über Claudia Rehder

Claudia Rehder ist Gymnasiallehrerin für die Fächer Deutsch, Biologie und Darstellendes Spiel. Viele Jahre unterrichtete sie an einer Brennpunktschule im Kreis Offenbach, auch im Haupt- und Realschulbereich. Sie sammelte vielfältige Erfahrungen in der Lehrerfortbildung und im Bereich Kulturelle Bildung. 2015 erfüllt sie sich schließlich einen Traum und macht Coachingausbildung. Seitdem unterstützt sie nebenberuflich junge Lehrerinnen und Lehrer, und das nicht nur als Online Coach, sondern auch durch Onlinekurse.

Ein wertschätzendes Mindset und die eigene bewusste Persönlichkeitsentwicklung sind für sie wichtige Grundvoraussetzungen für entspanntes Unterrichten und die eigene Gesundheit im Lehrerberuf.
Im Laufe der Jahre jedoch haderte sie mehr und mehr mit dem traditionellen Schulsystem, mit dem Zeitdruck und der Leistungsbewertung. Sie spürt, dass sie etwas für sich verändern muss. Im letzten Jahr schließlich wagte sie dann nach über 20 Jahren den Ausstieg aus dem Beamtenstatus. Seit August geht sie ganz neue Wege an einer Schule der neuen Zeit und arbeitet glücklich als selbständige Lehrerin an der School Beyond Limitations und nebenbei auch noch sehr gerne als Coach und Autorin.

Produkte: https://teachers-up.com

Website: https://claudia-rehder.de

Facebook: https://www.facebook.com/claudia.rehder.56

Instagram: https://www.instagram.com/claudia.rehder

Links und Credits

Credits für Musik: Music from Uppbeat (free for Creators!)
https://uppbeat.io/t/sonda/were-in-it-together

Zum Selbstcoaching-Programm 21 Tage zur Gelassenheit: bit.ly/Gelassenheit-Kompakt

Zum Kurs 5 Lebensstärken, die du in der Schule nicht lernst kommst du hier: bit.ly/5Lebensstärken

Credits für Musik: Music from Uppbeat (free for Creators!)
https://uppbeat.io/t/sonda/were-in-it-together

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