Folge 30 | Das bunte Leben einer Steuerfachangestellten

Wie du mit dem Bauch die Besten Entscheidungen triffst

Für einige von uns mag es verwunderlich klingen, wenn ausgerechnet eine Frau der Zahlen, Daten und Fakten ihre besten Entscheidungen aus dem Bauch heraus trifft. Für Kristin ist das ganz normal. Sie sagt, „Meine Bauchgefühl hat mich durch mein Leben getragen.“ Und rät auch anderen Frauen auf ihr Bauchgefühl zu hören.

Von Haus aus kommt Kristin aus der Beratung. Sie macht eine Ausbildung als Steuerfachangestellte und arbeitet ein Zeit lang in diesem Beruf. Bis sie eines morgens aufwacht und ihrem Bauchgefühl folgt, das ihr sagt „Ne, das ist hier nicht mehr das Setting, das ich mir vorstelle. Ich möchte mehr Geld verdienen!“

Sie will sich was gönnen und kann das mit den 800,- € Nettolohn nicht. Also beginnt sie sich zu bewerben und landet schließlich in Düsseldorf. Dort hat sie eine Gehaltserhöhung von 50% und denkt, dass das sogar schon ihr Ziel ist. In der neuen Kanzlei übernimmt sie die Buchhaltung und kaufmännische Prozesse.

Ihr Weg führt sie weiter zu verschiedenen Bankhäusern, wo sie stetig ihr Wissen und ihre Erfahrungen erweitert und auch mehrere Weiterbildungen belegt. Sie arbeitet sich in größere Strukturen ein und wird auch vertraut mit neuen Aufgaben wie Vertragsmanagement. Sie schnuppert das Leben der Großunternehmen mit Freigaben und Vieraugenprinzip, wo man nicht mehr einfach zum Chef geht und nachfragt.

Kristin hat keine Angst vor neuen Sachen und bewirbt sich mutig auch auf Positionen, wo sie noch nicht alle Anforderungen beherrscht. Sie sagt „Man wächst mit den Aufgaben.“

Man wächst mit den Aufgaben!

Bewirb dich auch, wenn du nicht alle Anforderungen erfüllst.

Schließlich hat sie einen Abschluss als Bilanzbuchhalterin und als internationale Bilanzbuchhalterin. Ihr nächster geplanter Schritt ist die Prüfung zur Steuerberaterin. Denn sie wünscht sich für eine große Beratungsgesellschaft zu arbeiten und denkt, dass ihr dieser Titel hilft. Noch während der Vorbereitungszeit erhält Kristins Mann die Möglichkeit ins Ausland zu gehen. Kristin Fantasie ist es, sich von China aus weiter auf die Prüfung vorzubereiten. Denn ihr wietere Vorstellung ist, dass sie auch in Shanghai direkt einen Job finden wird. Aber dem ist nicht so. Die Erkenntnis ist hart für Kristin, denn ihre Unabhängigkeit und eigenes Geld zu haben sind ihr sehr wichtig.

Sie lernt über sich selbst, dass sie sich ohne diese Strukturen von Arbeit überhaupt nicht organisieren kann. Und so besteht sie auch die Prüfung zur Steuerberaterin nicht. Aus dem einen Auslandsjahr werden mehrere Jahre. Sie versucht es ein zweites Mal und besteht auch da nicht die Prüfung.

Es dauert ein bisschen bis das Ego solche Niederlagen verknust.

Kristin über ihre zwei fehlgeschlagenen Versuche für die Prüfung zur Steuerberaterin

Sie beschließt Land und Leute zu genießen und sagt sich, dass die Welt sich auch ohne diese Prüfung weiterdrehen wird. Nach und nach verkraften auch ihr Ego diese Niederlage.

Von China geht es weiter nach Singapur. Inzwischen ist Kristin im siebten Monat schwanger. Mit dem Umzug nach Singapur eröffnen sich neue Möglichkeiten und Kristin bekommt sogar ein Angebot von ihrem Wunschunternehmen, dem Beratungshaus bei dem sie immer schon arbeiten wollte. 5 Tage nach der Entbindung findet sie sich in einem Vorstellungsgespräch bei Deloitte wieder und bekommt den Job. Als ihre Tochter 3 Monate alt ist steigt sie gleich in Vollzeit wieder in den Beruf ein. Eine anstrengende Zeit, aber gleichzeitig total interessant. Neue Kultur, neue Kollegen:innen, neue Aufgaben. Eine einmalige Chance, um es auszuprobieren mit der Option es auch wieder sein zu lassen, wenn es mit der Rolle als frisch gebackene Mutter nicht passt.

Der weitere Weg führt die junge Familie schließlich nach Norwegen.
Hier arbeitet Kristin in großen globusumspannenden Projekten und hat die Möglichkeit eine komplett neue Arbeitswelt kennen zu lernen. Ihre Aufgabe ist es, dass in diesen großen internationalen Projekten Fristen eingehalten werden und alle Aktionen aufeinander abgestimmt sind. Erstaunlicherweise berichtet sie, dass viele Frauen in diesem Umfeld tätig waren. Und im Gegensatz zu den männlichen Teams läuft die Zusammenarbeit hervorragend als virtuelles Team, während die männlichen Kollegen als erstes ihre Priorität darauf setzten, dass man sich erstmal persönlich treffen müsse.

Die Arbeitskulturen der einzelnen Länder beschreibt Kristin als sehr unterschiedlich. Insbesondere in Norwegen berichtet sie von einer großen Freiheit auf der einen Seite und einer großen Verantwortung auf der anderen Seite. Das heißt, es wird ein Ziel oder erwünschtes Ergebnis vorgegeben ohne zu bestimmen, wie dieses Ziel erreicht werden soll. „Die Norweger kommen da manchmal etwas lockerer rüber, als wir Deutschen.“, sagt Kristin.

Die Herausforderungen in internationalen Teams ist, dass viel schriftlich festgehalten werden muss, um sicher zu stellen, dass auch wirklich alle das Gleiche verstanden haben.

Aus dem ursprünglich einen Jahr Ausland werden 10 Jahre. Als sie erneut von Norwegen nach Singapur ziehen sollen bemerkt sie, dass sie die letzten Jahre nur auf Notprogramm gearbeitet hat. Es gab nur die Arbeit und das Kind. Und so kommt ihr noch in Norwegen die Idee etwas komplett neues zu tun. Sie gründet ihr eigenes Modelabel.

Denn in ihrer beruflichen Praxis erfährt sie, wie umständlich es ist, sich auf Businessreisen adäquat zu kleiden, ohne dass daraus ein zusätzlicher Organisationsstress entsteht. Kristin trägt gerne Kleid und findet, dass gerade im Businesskontext die Kleidung auch nochmal die eigene Autorität unterstreichen kann. So ist es fast naheliegend, dass ihr die Idee zu einem Kleid kommt, das genau zu ihrer Situation passt. Ein Kleid, das so gefertigt ist, dass es immer noch bequem ist, wenn man auf dem Fußboden sitzt und mit dem Kind Lego spielt und mit dem man trotzdem sofort zum nächsten Meeting aufbrechen kann.

Die Idee ein Geschäft von 0 an aufzubauen gefällt ihr. Sie geht noch am gleichen Tag im Büro zu ihrem Chef und sagt ihm, was sie vor hat. Das alles in der Annahme, dass er ihr die Kündigung anraten würde. Doch es kommt anders. Er sagt „Ich kann verstehen, dass man im Leben an eine Art Kreuzung kommt und hier etwas ausprobieren muss.“, und bittet sie sich zu überlegen, ob sie nicht parallel angestellt bleiben möchte mit einem reduzierten Arbeitspensum. Hier fällt Kristin auf, wie sehr sie gewertschätzt wird. Sie entscheidet sich für ein 30% Stelle, sagt aber rückblickend, dass sie das so nicht mehr machen würde. Denn sie macht die Erfahrung, dass die Arbeitslast trotzdem eher bei 60% liegt nur eben für weniger Gehalt.

In Norwegen hat sie auch erlebt, dass Frauen noch bevor sie in den Mutterschutz gehen befördert werden, damit sie nach der Rückkehr aus der Elternzeit wissen, dass eine Karriere auf sie wartet. Kristin wünscht sich, dass das auch für andere Länder möglich wäre.

Mit schönen praktischen Beispielen erfahren wir von Kristin, wie eine gleichberechtigte Arbeitsgesellschaft funktioniert. Und hierbei treten nicht nur die Unternehmen in die Verantwortung, sonder auch der Staat.

Der Weg von der Angestellten zur Unternehmerin erfordert Mut, doch Kristin beschließt es so aufzuziehen, dass es Hand und Fuß hat. Ihr Label heißt Vitoria Johansson, denn sie will mit diesem Synonym ausdrücken, dass ihre Mode für eine Vielzahl von ganz unterschiedlichen Frauen gemacht ist.

Eine der größten Herausforderungen ist es für Kristin der Außenwelt zu verklickern, wie das jetzt kommt, dass sie aus der Beratung in die Modebranche wechselt. Und das ist im Übrigen ein Problem das auch viele Menschen haben, die ihren Beruf wechseln wollen. Denn eine der häufigsten Fragen, die auftauchen ist „Wie sage ich es den Leuten?“

„Wir brauchen nicht die Kleidfigur, sondern das Kleid muss zu uns passen.“ Das ist die Aufgabe, der sich Krstin stellt und so entwickelt sie ihre Modelle am Lebenden Subjekt. Jedes Kleid hat eine Kleidpatin, deren individuelle Figur und Lebenssituation bei der Kleidentwicklung berücksichtigt wird. Mit einer Schnittdesignerin zusammen entwickelt sie alltagstaugliche Modelle, die auch bei „Hosenfrauen“ gut ankommen.

Die ganze Geschichte erfährst du in dieser Podcastfolge. Reinhören lohnt sich in jedem Fall, denn an Kristins Beispiel zeigt sich, dass es viele Möglichkeiten gibt Karriere zu machen und dass auch eine Steuerfachangestellte und Bilanzbuchhalterin ein ganz schön buntes Leben führen kann.

„Mein Bauchgefühl hat mich durch mein Leben getragen und das waren immer die Besten Entscheidungen.“

Kristin Theis

Über Kristin Theis

Mit VJ lebe ich, was ich lange geträumt habe und auf einem Flug von Oslo nach Stavanger bildlich vor mir sah, als ich auf dem Weg zu einem 100 Millionen USD Pitch war.

Manchmal muss ich mich selber kneifen, um zu realisieren, dass es wirklich so ist – und aus meiner Idee ein Kleid-Label entstanden ist!

Mit VJ mache ich Kleider für`s Leben. Der Anspruch ist hoch. Denn es geht (mir) um Kleider, die Du morgens anziehst und erst am Abend wieder aus. Die Dein Leben mitmachen, wie es ist und Dich stressfrei kleiden, auch wenn Du vielleicht glaubst, dass Du gar keine Kleidfigur hast. Und die Erfahrung zeigt – das denken wir fast Alle.

Das Gute ist – es ist nur eine Geschichte, die uns unser Kopf erzählt. Im Geschichtenerfinden ist der nämlich unschlagbar. Die Kunst besteht darin, ihm nicht zu glauben. Denn „Jede Frau hat eine Kleidfigur“.

www.vitoriajohannson.com

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